Mega-Kult – endlich auf CD!! Der Soundtrack zu KNIGHT RIDER

Knight Rider mit David Hassehoff

Ein schwarzer Pontiac Trans-Am fährt geradewegs auf die Kamera zu. Im Hintergrund eine untergehende Sonne. Eine Stimme aus dem Off: „Er kommt…“.

Dieses Intro könnte jetzt wohl jeder TV-Serien-Fan fortsetzen, der in den letzten 40 Jahren groß geworden ist. Ein Mann und sein Auto – KNIGHT RIDER war ab 1985 der Hit auf dem noch jungen Privatsender RTL Plus. Ihre Premiere feierten Michael Knight und sein Kumpel K.I.T.T.

in den USA bereits am 26. September 1982 zur besten Prime-Time – an einem Sonntag.

Hinter diesem spektakulären TV-Hit stand federführend Produzentenlegende GLEN A. LARSON. Dieser prägte die Fernsehlandschaft der 1970er und 1980er Jahre so nachhaltig wie kaum ein anderer. Was das Produzenten-Trio STOCK/AITKEN/WATERMAN in den 1980ern für die Musik war, war LARSON für die Mattscheibe. MAGNUM, EIN COLT FÜR ALLE FÄLLE – einfach jede Produktion wurde zum Überflieger! Das berühmte KNIGHT RIDER-Titelthema dürfte zudem wohl zu den bekanntesten TV-Melodien überhaupt gehören. STU PHILLIPS komponierte dieses elegante Stück Filmmusiklegende. Der Synthesizer war das Instrument der Wahl, wer allerdings die Ohren spitzt, der wird hier sicher auch Gitarren und Bass erlauschen können. Und damit traf der Komponist nicht nur den Puls der Zeit, sondern schuf auch einen zeitlosen Klassiker – eine Melodie für die Ewigkeit. Bis zum heutigen Tage fand sein Titelthema bis zu 30 musikalische Verwertungsformen. Von Hip-Hop bis hin zu Techno war nahezu alles vertreten. Dabei war das Komponieren für eine TV-Serie alles andere als einfach. Wie STU PHILLIPS im Booklet zur aktuellen Soundtrack-VÖ erzählt, lief KNIGHT RIDER in aller Regel freitags im amerikanischen TV. Aber erst etwa eine Woche vor Ausstrahlung durfte er einen Blick in die neue Folge werfen. Damit blieben ihm jeweils nur ein paar Tage Zeit, um einen passenden Soundteppich für die jeweilige Episode zu kreieren.

Konzentrierte Präzisionsarbeit war hier gefragt und PHILLIPS lieferte von Woche zu Woche Erstaunliches ab! Er begleitete Michael und K.I.T.T insgesamt 12 Folgen lang musikalisch, dann übernahm DON PEAKE. Das inzwischen fest mit der Serie verbundene Titelthema blieb dem Publikum natürlich erhalten.

GLEN A. LARSON nahm seinen Haus- und Hofkomponisten PHILLIPS nun von Universal mit zu 20th Century Fox, um dort mit ihm an EIN COLT FÜR ALLE FÄLLE zu arbeiten. Doch was machte nun schlussendlich den Erfolg von KNIGHT RIDER aus? Ganz einfach: Die Serie war eine Produktion mit

„Gelinggarantie“:

Designt wurde der futuristische K.I.T.T von MICHAEL SCHEFFÉ, der zuvor schon für den Spielzeuggiganten Mattel Autos entworfen hatte. Für eine durchschnittliche Folge wurden bis zu vier unterschiedliche Modelle für unterschiedliche Aufnahmen angefertigt.

David Hasselhoff IST Michael Knight! Kein Mike Traceur aus der Neuauflage von 2008 oder Kyle Stewart aus dem Spin Off TEAM KNIGHT RIDER konnte auch nur ansatzweise an den 1980er-Erfolg anknüpfen. Es fehlte einfach das eingeschworene Team mit Devon Miles, Bonnie Barstow oder April Curtis.

Eine wesentliche Zutat zum Erfolgsrezept ist aber zweifelsohne STU PHILLIPS epischer Soundtrack. Er führt den Taktstock hier mit beeindruckender Kühnheit. Doch was genau bietet uns der Komponist hier? Lauscht man den Klängen, folgt man K.I.T.T. und Michael auf ihren abenteuerlichen Missionen im Auftrag der Foundation. Dabei erleben wir K.I.T.T.s Konfrontation mit seinem bösen Prototyp-Alter Ego K.A.R.R. – actiongeladen! Aber selbst Mozart wird im Verlaufe der ersten Folgen musikalisch zitiert und natürlich klingt das Titelthema immer wieder prominent an. Das Label Varèse Sarabande hat nun eine wunderbare Doppel-CD veröffentlicht. 2005 gab es zwar bereits ein CD-Release von Film Score Monthly als Einzel-Disc, dieses war allerdings in Turbo-Boost-Geschwindigkeit ausverkauft. Das aktuelle Varèse-Set enthält zudem eine zweite CD mit bisher unveröffentlichten Tracks. Ein umfangreiches und informatives Booklet rundet diese liebevoll gestaltete und sorgsam kompilierte Veröffentlichung stilvoll ab. Wer Noten lesen und gegebenenfalls auch in Töne wandeln kann, den reizen sicher auch die abgebildeten Notenblätter. Für Musikliebhaber wie mich, die MP-3-Musikkompressions-Formaten eher kritisch gegenüberstehen, sei hier noch folgendes ergänzt: Klanglich ist diese wirklich erstklassige Varèse-CD ein wahres Referenzwerk! Nie klang die Musik zu KNIGHT RIDER voluminöser! Und das bei Stücken, die inzwischen auch schon ihre Jährchen „auf dem Buckel“ haben. Mir ist nicht bekannt, auf welches Ausgangsmaterial man für diesen Silberling zurückgreifen konnte, aber das Klangspektrum ist hier in jedem Fall überwältigend.

Wer also nun vielleicht die Lust verspürt, musikalisch nochmal tief in die glorreiche Synthesizer- und TV-Serien-Zeit der 1980er abzutauchen, dem sei diese Doppel-CD dringend ans Herz gelegt. Bleibt zu hoffen, dass vielleicht in Zukunft auch der Filmmusik anderer TV-Klassiker wie etwa dem A-TEAM etc. ein ähnlich umfassendes und liebevoll gestaltetes Release vergönnt sein wird. Zu beziehen ist die brillante Varèse-Doppel-CD bei bekannten Online-Händlern oder im spezialisierten Online-Fachhandel.

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Über Dirk Weßels 3 Artikel
Dirk Weßels liebt es nicht nur, wenn Pläne funktionieren sondern ganz besonders die Zeit, in der Musik zunehmend elektronischer wurde, Ferraris auch mal in weiß statt rot durch das nächtliche Miami cruisten und man Filme noch im VHS-Format in der Videothek seines Vertrauens leihen konnte – die 1980er! Seine größte Leidenschaft gehört seit nunmehr über 40 Jahren dem Star Wars-Franchise. Actionfiguren, Soundtracks, Hörspielfassungen, Kurioses und Seltenes – nichts, was nicht begehrenswert für die Sammlung wäre. Im Bereich des Thriller- und Horrorfilms sind es die zeitlosen Klassiker, die cineastischen „Schwergewichte“ und meisterhaften Meilensteine, die Dirk Weßels ganz besonders schätzt. "Frankenstein" von 1931 mit dem unerreichten Colin Clive in der Titelrolle sowie Boris Karloff als kongenial-monströsem Antagonisten, Hitchcocks "Der unsichtbare Dritte" und "Psycho" oder auch Carpenters "Halloween" sowie selbstredend Cunninghams "Freitag, der 13". Abseits des Science-Fiction- und Gruselgenres stehen die Bond-Reihe, Spielberg-Filme wie "Der weiße Hai", "Indiana Jones" und "E.T." oder auch diverse Action-Kracher der 1980er/1990er ganz oben in seiner ganz persönlichen Kino-Hitparade. In seiner Funktion als Fan und Jäger nach verlorenen (Film-, Spielzeug- und Hörspiel-) Schätzen wurde ihm nun schon mehrfach die Ehre zuteil, Artikel für das Filmmagazin DEAD ENDS verfassen zu dürfen.

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