Hot Soundtrack-Stuff!! – Star Wars „Shadows Of The Empire“ endlich auf Vinyl!

Star Wars: Shadows of the Empire
Star Wars: Shadows of the Empire

Weihnachten 1983 – von nun an sollten schwere Zeiten auf die “Krieg der Sterne”-Fans weltweit zukommen. Die Jedi-Ritter kehrten zwar nochmal fulminant in einem epischen Finale auf die internationalen Leinwände zurück. Allerdings gab es auch einen gewaltigen Wehmutstropfen, denn Mastermind George Lucas kündigte in einem Interview mit der Filmzeitschrift Cinema im Dezember 1983 an, sich nun zunächst mal eine Auszeit von “Star Wars” nehmen zu wollen, um unter anderem wieder mehr Zeit für Familie, Hobbies und andere Projekte zu haben. Das klang alles nicht unbedingt danach, dass es mit dem “Krieg der Sterne” weitergehen könnte. Es gab in den Jahren 84/85 mit “Karawane der Tapferen” und “Kampf um Endor” letztlich nochmal zwei Filme aus dem “Star Wars-Universum”, diese waren aber eigentlich TV-Produktionen, die in Deutschland fürs Kino ausgewertet wurden und die streng genommen nichts mehr mit der Familie Skywalker zu tun hatten.

Schleichend ließ nun das Interesse an dem Sternenkrieg Mitte der 80er Jahre nach. Kenner brachte seine klassische Toyline zu einem Ende, in den Kinderzimmern dieser Welt hatten He-Man und seine stolzen “Masters of The Universe” inzwischen das Regiment übernommen und zunehmend standen nun Spielekonsolen und Heimcomputer auf den Wunschzetteln der Kids. War das Kapitel “Star Wars” damit beendet? Selbstverständlich nicht! Auf neue Filme musste man zwar noch viele Jahre warten, jedoch hielten diverse ambitionierte Projekte sowie der treue Fandom das Franchise auch nach 1985 noch blühend am Leben. Ob nun in Deutschland in Form von legendären Conventions wie etwa der ersten Jedi-Con des Offiziellen Star Wars Fan-Clubs (OSWFC) 1994 in Köln oder auch mit Hilfe von diversen großartigen, internationalen Projekten. Die Saga wurde auf diese liebevolle Weise gehegt und gepflegt und – wenn schon nicht auf Celluloid – zumindest von kreativen Künstlern auf anderen Gebieten weitergeführt. Hierzu gehörten neben den diversen Fan-Aktivitäten auch Sammelkarten, Comics oder auch literarische Ergüsse in Form von Büchern.

“Shadows Of The Empire” war eines dieser überwältigenden Multi-Media-Projekte, das gleich aus mehreren Komponenten bestand und uns Literatur, Comics oder auch ein Videospiel bescherte! Der seit Jahren mit dem “Krieg der Sterne” verbundene Plakatkünstler Drew Struzan kreierte eigens Motive für das Projekt. Die Story basiert auf einer Grundidee des Autoren Steve Perry, der später auch noch Drehbücher für eine der, wie ich finde, besten Animationsserien aller Zeiten verfassen sollte: für “Batman: The Animated Series”.

“Star Wars – Schatten des Imperiums” ist zeitlich zwischen den Filmepisoden “Das Imperium schlägt zurück” und “Rückkehr der Jedi-Ritter” zu verorten und handelt unter anderem von der Suche nach dem in Carbonit eingefrorenen Han Solo. Doch auch neue Gefährten und Schurken treten auf den Plan. Die Firma Kenner, die inzwischen zu Hasbro gehörte, entwarf sogar eine kleine, aber feine Toyline.

Ungewöhnlich war seinerzeit, dass zu einem solchen allumfassenden Projekt sogar ein eigener Soundtrack aufgenommen wurde. Für die Umsetzung zeichnet sich der Filmmusik-Virtuose Joel McNeely verantwortlich, der zuvor bereits mit George Lucas an einem vielversprechenden TV-Projekt gearbeitet hatte. So war es McNeely, der zu Beginn der 90er Jahre den jungen Indiana Jones musikalisch bei seinen frühen Abenteuern rund um den Globus begleiten durfte.

Lebendiger Geschichtsunterricht als herausragendes Fernsehprojekt in Form gegossen. Emanzipierte sich McNeely hier noch gänzlich von John Williams‘ heldenhaften Klängen für den Archäologen, verfuhr er bei “Shadows Of The Empire”  anders. Bei einem “Star Wars”-Projekt musste man einfach auch die ikonographischen Themen zitieren, die über die Jahre in das kollektive Popkultur-Bewusstsein gedrungen waren. Ein “Star Wars”-Projekt zu produzieren ohne Meister Williams zu zitieren wäre vergleichbar mit einem Bond-Film ohne eine zumindest kurze Anspielung auf Monty Normans packendes James Bond-Thema! Dennoch behält McNeelys Werk seine ganz eigene Signatur. Der Komponist möchte gewohnte Klänge nicht einfach imitieren sondern neue Klänge in einer Symbiose mit Traditionellem verschmelzen lassen. Ein Ansatz, der ihm bei seinem Soundtrack zu “Schatten des Imperiums” vortrefflich gelungen ist. Wer also ein Williams-Zitat nach dem anderen oder gar einen lupenreinen Williams-Soundtrack-Klon erwartet, der wird sich hier eines Besseren belehren lassen müssen.

McNeely entwirft große Kompositionen für große Szenen. So vereint gleich der zweite Track des Albums, „Battle of Gall“, all das, wofür Fans die “Star Wars”-Musik lieben. Diese nahezu acht Minuten lange Partitur strotzt nur so vor treibenden Klängen, die allesamt locker dem Soundkleid der Originaltrilogie entstammen könnten. Eine brachiale Wucht wechselt sich mit romantischen Passagen ab, die man schon fast als verspielt bezeichnen könnte. Der Titel „Imperial City“ wird begleitet von mächtigen Pauken und einem Chor – ähnlich verfuhr John Williams in „Duel Of The Fates“ drei Jahre später bei “Star Wars Episode I”. Ein weiteres Highlight dieses schillernden Soundtracks ist sicher auch “Xizor’s Theme” – benannt nach dem neuen Oberbösewicht des Multi-Media-Projekts. Es dürfte eine nicht zu unterschätzende Leistung gewesen sein, nach dem mächtigen “Imperial March” für Darth Vader in der Originaltrilogie nun ein neues Leitmotiv für einen neuen Schurken aus dem “Star Wars”-Universum zu komponieren. Nach etwa anderthalb Minuten baut sich hier eine dermaßen gigantische Klangmauer auf, dass es selbst dann bedrohlich klingt, wenn man den Verbrecherfürsten Xizor nicht vor Augen hat. Diese wunderbare Komposition könnte auch direkt aus einem Mantel- und Degen-Film stammen, würde aber auch eine gute Figur in einem historischen Monumentalfilm über einen römischen Despoten machen.

Wie gesagt – “Shadows Of The Empire” spielt zwischen den Episoden V und VI und McNeely gelingt es mit seinen Klängen stets, genau dieses ganz besondere Feeling einzufangen. McNeelys Projekt-Soundtrack atmet in jeder Sekunde den klassischen “Star Wars”-Geist, was bestimmt nicht alle Projekte rund um das Franchise für sich beanspruchen können.

Geadelt wurde “Shadows Of The Empire” spätestens dadurch, dass George Lucas Elemente davon mit in seine Special Edition der Ur-Trilogie einfließen ließ. Damit machte Lucas “Shadows” zu einem ganz offiziellen Teil des “Star Wars”-Kanons. So sehen wir in einer Szene von Episode IV etwa das Raumschiff des Schmugglers Dash Rendar vom Raumhafen Mos Eisley aus starten. Welche größere Ehre hätte es für die Macher hinter “Schatten des Imperiums” geben können, als in dieser Weise in einem Film der Originaltrilogie „zitiert“ zu werden?

Wer den großartigen Soundtrack nun in die “Star Wars”-Sammlung aufnehmen möchte, dem steht natürlich immer die Möglichkeit offen, sich einfach die CD-VÖ zuzulegen.

Wer allerdings noch etwas mehr „retro“ mag, dem bereitet das Label Varèse Sarabande zum diesjährigen 25jährigen Jubiläum des Projekts ein ganz besonderes Schmankerl zu. Alle Vinyl-Liebhaber werden vermutlich frohlocken, denn in diesem Jahr wird der Soundtrack erstmalig auf Vinyl aufgelegt!! Ein wahrer Traum für Fans und Sammler, halten wir mit der Soundtrack-LP doch ein wahrhaft profundes Stück “Star Wars”-Geschichte in Händen!

Die LP trägt das fantastische Motiv von Drew Struzan auf dem Frontcover. Liner Notes findet der geneigte Fan auf der Innenhülle.

Ein wirklich würdiges Release und zweifelsohne sehr passend zum 25.

Jubiläum von “Shadows Of The Empire”.

Erhältlich ist diese edle Fassung bei den gängigen Onlinehändlern oder auch im spezialisierten Filmmusikfachhandel.

Werbung:
Dirk Weßels
Über Dirk Weßels 2 Artikel
Dirk Weßels liebt es nicht nur, wenn Pläne funktionieren sondern ganz besonders die Zeit, in der Musik zunehmend elektronischer wurde, Ferraris auch mal in weiß statt rot durch das nächtliche Miami cruisten und man Filme noch im VHS-Format in der Videothek seines Vertrauens leihen konnte – die 1980er! Seine größte Leidenschaft gehört seit nunmehr über 40 Jahren dem Star Wars-Franchise. Actionfiguren, Soundtracks, Hörspielfassungen, Kurioses und Seltenes – nichts, was nicht begehrenswert für die Sammlung wäre. Im Bereich des Thriller- und Horrorfilms sind es die zeitlosen Klassiker, die cineastischen „Schwergewichte“ und meisterhaften Meilensteine, die Dirk Weßels ganz besonders schätzt. "Frankenstein" von 1931 mit dem unerreichten Colin Clive in der Titelrolle sowie Boris Karloff als kongenial-monströsem Antagonisten, Hitchcocks "Der unsichtbare Dritte" und "Psycho" oder auch Carpenters "Halloween" sowie selbstredend Cunninghams "Freitag, der 13". Abseits des Science-Fiction- und Gruselgenres stehen die Bond-Reihe, Spielberg-Filme wie "Der weiße Hai", "Indiana Jones" und "E.T." oder auch diverse Action-Kracher der 1980er/1990er ganz oben in seiner ganz persönlichen Kino-Hitparade. In seiner Funktion als Fan und Jäger nach verlorenen (Film-, Spielzeug- und Hörspiel-) Schätzen wurde ihm nun schon mehrfach die Ehre zuteil, Artikel für das Filmmagazin DEAD ENDS verfassen zu dürfen.

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


* Datenschutzerklärung akzeptieren