Buchvorstellung: DER MATHELEHRER UND DER TOD

“Da lag Michael Menzel, der Kollege, der im Lehrerzimmer neben mir saß. Physik und Mathe. Und jetzt war er tot.”

Was habe ich Mathematik gehasst! Und natürlich auch all die ganzen Pädagogen, die verzweifelt versucht haben, mir Geometrie, binomische Formeln und das Geheimnis der Doppelbrüche einzutrichtern. Ich erinnere mich noch an Frau Pfeifer, die mir vor der versammelten Klasse mit dem Kugelschreiber praktisch mein Klausurheft in zwei Teile zerrissen hat. Mit hochrotem Kopf, schnaubend vor Wut, stand sie da – dieses lange Elend mit der gescheitelten Kurzhaarfrisur. Sie konnte nicht nachvollziehen, wie man nur so blöd sein konnte, richtige Ergebnisse von der Tafel falsch abzuschreiben wie ich es getan hatte.

Was aus mir geworden ist, sieht man ja. Was aus ihr wurde, entzieht sich meiner Kenntnis. Opfer eines Mordes wurde sie jedenfalls nicht, auch wenn es hierfür genauso viele Motive und Täter gegeben hätte, wie im Fall des auf dem ersten Blick durch Eigenverschulden umgekommenen Herr Menzel.

Geschrieben von einem Insider, entwirft DER MATHELEHRER UND DER TOD ein Szenario, das jedem unter uns, der selbst einmal zur Schule ging, bekannt sein dürfte. Und in eben dieses Milieu tauchen wir als Leser ab und es scheint, als würden wir einen Quantensprung zurück in unsere eigene Jugend machen. Aus der Perspektive des Deutsch-Lehrers Horvath erzählt, begleiten wir diesen und die Schüler seines Kurses auf der mit Wortwitz und liebevollen Zitaten und Verweisen auf die Kriminalliteratur gespickte Mordermittlung, die zudem sehr flüssig geschrieben ist und aufgrund des Plots, der für jeden nachvollziehbar scheint, Identifikationen mit den geschilderten Begebenheiten und dem Ensemble möglich macht. Erschienen im Droemer-Knaur-Verlag ist der amüsante 270-Seiten-Krimi genau der richtige Lesestoff, um sich vom alltäglichen Lockdown-Wahnsinn etwas abzulenken. Dass der Autor nicht nur dieser Berufung nachgeht, sondern auch scheinbar ein Fan von AGATHA CHRISTIE zu sein scheint, wird erstmals auf dem Buchrücken und im Innenteil bei der Widmung deutlich. Denn wenn aus TOD AUF DEM NIL zitiert wird, ist auch gleich die Richtung erkennbar, die MARC HOFMANN

einschlägt: messerscharfe Kombinationsgabe und Komik geben sich hier die Klinke in die Hand, wenn es darum geht, mit Hilfe klassischer Ermittlungsarbeit einen Täter zu überführen, der sich in unmittelbarer Nähe befindet. Denn verdächtig ist jeder.

MARC HOFMANN ist neben seiner Tätigkeit als Autor und Kabarettist Lehrer für Deutsch und Englisch an einem Freiburger Gymnasium. “Die Mischung aus allem ist für mich perfekt”, sagt der Pädagoge über sein Berufsleben, das ihn zu seinem jüngsten Buch inspirierte. Gerade heute in Zeiten von Homeschooling und Fernunterricht ist das Schreiben eine willkommene Abwechslung. Denn der persönliche Austausch mit seinen Schülern fehlt:

“Ich bin tatsächlich sehr gerne Lehrer”. Dies spiegelt sich auch in seinem neuesten Krimi wider. Um den Mord an seinem Kollegen aufzuklären, geht Deutschlehrer und Hobby-Detektiv Gregor Horvath gemeinsam mit seinen Schülern der Sache auf die Spur und bildet damit das perfekte Ermittlerteam.

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