THE DEAD DON´T DIE bei Amazon Prime

Ab sofort ist die etwas andere Zombie-Komödie THE DEAD DON´T DIE bei Amazon Prime abrufbar. Warum sie anders ist als zum Beispiel SHAUN OF THE DEAD? Weil JIM JARMUSH hierfür verantwortlich zeichnet, und dessen Humor und Erzählweise etwas speziell ist. Dafür spielt BILL MURRAY die Hauptrolle, der nach seinen selbstironischen Himself-Cameos in ZOMBIELAND hier als Sheriff einer Kleinstadt lauter schräger Einwohner dafür sorgt, dass alles, wirklich alles, seinen Gang geht:

In der verschlafenen Kleinstadt Centerville müssen die drei Polizisten der Stadt, allesamt Brillenträger, allesamt wenig erfahren im Umgang mit Krisensituationen, eher selten eingreifen: Verbrechen sind eine Rarität und stehen für gewöhnlich nicht an der Tagesordnung. Doch plötzlich geht es in dem Nest nicht mehr mit rechten Dingen zu.

Während Sheriff Cliff Robertson noch rätselt, womit er es zu tun hat, ist sich sein Kollege Ronald Peterson sicher: Zombies haben die Stadt befallen und sie müssen einschreiten. Auch wenn nicht klar ist, ob sie der Situation Herr werden können. Oder ob sie das überhaupt wollen.

Mit Machete und Schrotflinte bewaffnet, macht das ungewöhnliche Cop-Duo Jagd auf die Untoten, die durch die Straßen streifen – hungrig nach Menschenfleisch…aber auch mit Appetit nach Kaffee oder nach einem Gläschen Chardonnay gesegnet.

Nachdem er sich in ONLY LOVERS LEFT ALIVE mit dem Vampirmythos auseinandersetzte, greift Independent-Legende JIM JARMUSH in seinem ersten Film seit PATTERSON wieder ein Horrorthema auf: Dabei orientiert sich seine lakonische Zombiekomödie weniger an THE WALKING DEAD als an GEORGE A. ROMEROs Klassiker NIGHT OF THE LIVING DEAD, der 50 Jahre zuvor eine ganz eigene Tradition des unabhängigen Kinos mitbegründete. Eingefleischte Untoten-Aficionados, die bei einem Titel wie THE DEAD DON´T DIE eine zeitgemäße Veralberung des Genres erwarten, sollten allerdings ihre Ansprüche vor Sichtung schleunigst etwas runterschrauben. Eines jedoch steht außer Zweifel fest: Der Film lässt die Toten auferstehen und begeistert mit einer herausragenden Besetzung, die zurecht als der “untoteste Zombie-Cast aller Zeiten”

beworben wird. In den Hauptrollen glänzen neben BILL MURRAY unter anderem ADAM DRIVER und TILDA SWINTON, während sich DANNY GLOVER, STEVE BUSCEMI, RZA, TOM WAITS, SELENA GOMEZ und IGGY POP in mehr oder weniger skurrilen Nebenrollen die Klinke in die Hand geben.

Trotz zahlreicher Zitate und Verweise auf das Untoten-Universum im Allgemeinen und auf den Wegbereiter des modernen Zombiefilms im Besonderen, auf den bereits in der ersten Szene angespielt wird, erscheint THE DEAD DON´T DIE dem Mainstream-Publikum unter Umständen in etwa so speziell wie ein Großteil des kauzig-schrägen Charakter-Ensembles. Obwohl er den aktuell noch immer anhaltenden Zombie-Hype augenzwinkernd persifliert, ist JARMUSHs Beitrag ein streckenweise kurioser, dessen gemächliches Erzähltempo und ungewöhnlicher Sinn für Humor den Film irgendwo zwischen tarantinoesker Gelassenheit und staubtrockener Provinz-Posse ansiedelt. Für Fans des gefeierten und vielfach ausgezeichneten Autorenfilmers entspricht das dargestellte Szenario dem bewährten Stil, der auf Hardcore-Horrorfreaks durchaus befremdlich wirken könnte. Das Nachsehen haben sie bei THE DEAD DON´T DIE aber trotzdem nicht, denn auch sie kommen durchaus auf ihre Kosten. Die lebenden Toten dienen nicht nur als Komparsen einer komödiantischen Auseinandersetzung mit der Thematik, sondern tragen mit ihren blutigen Maskeneffekten auch zur stimmungsvollen Horror-Atmosphäre bei.

Allerdings ist Sitzfleisch vonnöten, denn JARMUSH lässt sich Zeit bis es den Bewohnern von Centerville zombiemäßig so richtig an die Eingeweide geht.

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Mike Blankenburg
Über Mike Blankenburg 42 Artikel
Mike Blankenburg, Chefredakteur und Herausgeber des Printmagazins DEAD ENDS (Kontakt: redaktion.dead.ends@gmail.com oder folgt ihm bei Instagram: the_horror_of_dead_ends), Redakteur beim MovieCon Magazin und Kopf hinter der Facebook-Seite „Titten, Trash & Terror“. Seit seiner frühen Kindheit ist er begeisterter Filmfan und Sammler. Mit Klassikern wie „Dracula“ mit Christopher Lee, „Die Nacht der lebenden Toten“ oder „The Fog - Nebel des Grauens“ entstand die Liebe zum klassischen phantastischen Film. Sein Faible für dieses und viele andere Genres, insbesondere für den europäischen Genrefilm sowie Trash- und B-Movies, bringt er seit 2015 in bislang 20 Ausgaben der DEAD ENDS und seit April 2017 in bislang über 250 (teilweise noch unveröffentlichten) Booklet-Texten für verschiedene Labels mit viel Herzblut und Leidenschaft zum Ausdruck. Seit 2018 verleiht er außerdem den DEAD ENDS-Award an den besten deutschsprachigen Lang- und Kurzfilm und ist darüber hinaus seit Jahren festes Jury-Mitglied im nationalen Wettbewerb des „Besten Horrorfilmdarstellers“. Ende 2019 hat er zusammen mit Till Bamberg und Holger Borgstedt mit „Die Alb-Traumfabrik“ sein erstes Sachbuch veröffentlicht. Aktuell arbeiten sie an ihrer zweiten Buch-Veröffentlichung.

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