Kritik: BAD NEIGHBORS

"Bad Neighbors" auf Blu-ray & DVD (Universal Pictures)
"Bad Neighbors" auf Blu-ray & DVD (Universal Pictures)

Mac (SETH ROGEN) und Kelly (ROSE BYRNE) haben ihre wilden Party-Zeiten hinter sich. Die frisch gebackenen Eltern genießen nun das besinnliche Leben am Stadtrand. Doch diese Idylle endet schneller als erwartet, als eine Horde lautstarker Studenten in ihre direkte Nachbarschaft zieht: Rücksicht? Nachtruhe? Hilfsbereitschaft? Das sind Fremdwörter für die partywütigen Studenten. Nebenan werden nun feucht-fröhliche Partys gefeiert – und die College-Twens um den charismatischen Teddy Sanders (ZACK EFRON) feiern, wie befürchtet, jede Nacht bis in die Puppen. Schlichtungsversuche scheitern, also fassen Kelly und Mac den Beschluss, die Brüderschaft zu sabotieren – beschwören damit aber einen wahnwitzigen Kleinkrieg herauf, bei dem sie die schlechteren Karten haben. Doch so leicht wollen sie ihren Traum vom Vorstadtidyll nicht aufgeben.

Was gibt es für eine bessere Ausgangssituation für eine Komödie als das Klischee vom friedliebenden Kleinstadt-Idyll, in dessen Ruhe die erschütternden Ausmaße eines Nachbarschaftskriegs einbrechen? Wer hatte nicht schon einmal wegen Nichtigkeiten einen Streit mit seinen Nachbarn? Sei es Tür an Tür im Mehrfamilienhaus oder Hecke an Hecke in der gepflegten Reihenhaus-Siedlung: Wenn unterschiedliche Generationen und Mentalitäten aufeinanderprallen, ist der Streit vorprogrammiert. Laute Musik, üble Essensgerüche, spielende Kinder oder ein bellender Hund – alles Kleinigkeiten im Vergleich dazu, welchem Partyinferno das vollkommen ausgelaugte, junge Ehepaar allabendlich ausgesetzt ist. Eine Situation, die für jeden nachvollziehbar und umso lustiger ist.

Und in der Tat: die wilde, ausgelassene Komödie von NICHOLAS STOLLER reiht ein wahnwitziges Party-Event an das nächste, auf das in der Regel der Gegenangriff von Mac und Kelly folgt. So vergnügt die Studentenverbindung ist, so einfallsreich sind die Nachbarn, um die Studenten loszuwerden. Doch so wenig subtil Aktion und Reaktion auch sind – sie übertragen sich auf den Humor des gesamten Films und der ist…sehr speziell:
Kein infantiler Furz- und Fäkalhumor wie einst bei ADAM SANDLER, aber auch nicht weniger ruhig. Wer auf politisch unkorrekte, teilweise zotige, vor allem aber vulgär-obszöne Gags und Dialoge unterhalb der Gürtellinie steht, der wird an BAD NEIGHBORS seine helle Freude haben – vor allem weil es eine der wenigen Komödien ist, deren Gag- und Unterhaltungspotential konstant auf hohem Level bleibt. Und genau das macht eine gute Komödie aus: Der Unterhaltungswert resultiert aus einer hohen Gag-Quote, die hier mehr als erfüllt wird. Während in anderen Komödien von 100 Gags maximal 20 zünden und auf 90 Minuten verteilt sind, hat BAD NEIGHBORS eine Trefferquote von mindestens 85% und reiht eine abgefahrene Situation an die nächste. Dass hier die Grenzen des guten Geschmacks ausgelotet werden, tut dem Spaß keinen Abbruch – man sollte nur für diese Art von Humor empfänglich sein. Wenn das der Fall ist, steht einem gelungenen Filmabend nichts im Wege – denn BAD NEIGHBORS ist der absolute Partykracher, bei dem man aus dem Lachen kaum rauskommt. Spaßbremsen, Arthouse-Fanatiker und Liebhaber geistreicher Satire sei der Genuss dieses “Kriegsfilms” dringend abgeraten – alle anderen werden sich die Schenkel wund klopfen!
ZACK EFRON spielt, im Vergleich zu MILEY CYRUS, seiner ehemaligen Kollegin aus dem DISNEY-Seifenblasen-Imperium, gekonnt gegen sein zuckersüßes Teenie-Image an, ohne plump provozieren zu müssen. SETH ROGEN spielt im Grunde das, was er sonst auch spielt – und das mit Bravour. Sehr überraschend ist für mich das komödiantische Talent von ROSE BYRNE, die vielmehr auf ernste Rollen wie 28 WEEKS LATER, INSIDIOUS und INSIDIOUS 2 oder die TV-Serie DAMAGES abonniert ist. Sie meistert ihre Rolle mehr als überzeugend und passt sich der Spielfreude ihrer beiden Partner an.

Insgesamt ein sehr spaßiger und abgefahrener Comedy-Hit mit vielen einfallsreichen und unvergesslichen Szenen. Derb, geschmacklos und mit hohem Fremdschäm und Fun-Faktor – durchgehend unterhaltsam, ohne Längen und mit einer Altersfreigabe, die jeder Beschreibung spottet. Herrlich!

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Über Mike Blankenburg 54 Artikel
Mike Blankenburg, Chefredakteur und Herausgeber des Printmagazins DEAD ENDS (Kontakt: redaktion.dead.ends@gmail.com oder folgt ihm bei Instagram: the_horror_of_dead_ends), Redakteur beim MovieCon Magazin und Kopf hinter der Facebook-Seite „Titten, Trash & Terror“. Seit seiner frühen Kindheit ist er begeisterter Filmfan und Sammler. Mit Klassikern wie „Dracula“ mit Christopher Lee, „Die Nacht der lebenden Toten“ oder „The Fog - Nebel des Grauens“ entstand die Liebe zum klassischen phantastischen Film. Sein Faible für dieses und viele andere Genres, insbesondere für den europäischen Genrefilm sowie Trash- und B-Movies, bringt er seit 2015 in bislang 20 Ausgaben der DEAD ENDS und seit April 2017 in bislang über 250 (teilweise noch unveröffentlichten) Booklet-Texten für verschiedene Labels mit viel Herzblut und Leidenschaft zum Ausdruck. Seit 2018 verleiht er außerdem den DEAD ENDS-Award an den besten deutschsprachigen Lang- und Kurzfilm und ist darüber hinaus seit Jahren festes Jury-Mitglied im nationalen Wettbewerb des „Besten Horrorfilmdarstellers“. Ende 2019 hat er zusammen mit Till Bamberg und Holger Borgstedt mit „Die Alb-Traumfabrik“ sein erstes Sachbuch veröffentlicht. Aktuell arbeiten sie an ihrer zweiten Buch-Veröffentlichung.

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