Kritik: A MILLION WAYS TO DIE IN THE WEST

Der Schafzüchter Albert ist ein Feigling mit losem Mundwerk und somit für die Bewohner der Wild-West Stadt “Old Stump” ein unverbesserlicher Außenseiter. Er lehnt gewalttätige Auseinandersetzungen ab und hat noch nie einen Colt abgefeuert. Auch seine enttäuschte Freundin ist längst in die Arme eines weniger ängstlichen Cowboys geflüchtet. Doch eines Tages kommt eine bildschöne Fremde, Anna, in die Stadt und weckt in Albert tief verborgene Lebensgeister – vor allem aber jenen Mut, ohne den man sich dem Kugelhagel und sonstigem Wahnsinn auf der Meile zwischen Sheriffsbüro und Saloon niemals aussetzen sollte. Albert verliebt sich in Anna, die nur leider zu erwähnen vergaß, dass ihr Gatte ein ebenso schießwütiger wie eifersüchtiger Bandit ist. Alberts neu entdeckter Mut wird nun auf die Probe gestellt, denn wenn er nicht in den Staub der Hauptstraße beißen will, muss er die Sache diesmal selbst in die Hand nehmen. Nie war der Westen wilder!

Und auch nicht zotiger…allenfalls in dem infantilen Klamauk DJANGO NUDO UND DIE LÜSTERNEN MÄDCHEN VON PORNO HILL. Hinsichtlich Niveaulosigkeit kann A MILLION WAYS diesem 1960ies-Schwank aus US-Softsex-Produktion mit Leichtigkeit das Wasser reichen, denn der Humor in MacFarlanes Wild-West-Comedy definiert sich überwiegend aus Furz- und Fäkalhumor. Das ist zwar für Leute, die mit dieser Art Humor etwas anfangen können, durchaus das eine oder andere Schmunzeln wert – aber auf knapp zwei Stunden Laufzeit verteilt auch schnell ermüdend. Was hätte man aus dem Wild-West-Szenario alles machen können – beispielsweise eine herrlich abgedrehte Parodie auf das Genre an sich und deren Klassiker. Zwei witzige Cameos, ein an die Edelwestern der guten alten Zeit erinnernder Score, und das Städtchen Old Stump zu nennen (als augenzwinkernder Verweis auf die Figur „Stumpy“ aus RIO BRAVO von HOWARD HAWKS) – das ist einfach viel zu wenig, um als Hommage oder gar als Parodie durchzugehen. Selbst die wenigen skurrilen Splattersequenzen, die einen Hauch von HOT FUZZ ins staubige Westernstädtchen zaubern, bringen nur wenig Abwechslung in die einseitige Inszenierung.
Bis in die kleinsten Nebenrollen hervorragend besetzt, gibt vor allem LIAM NEESON das perfekte Abziehbild eines Bösewichts ab – bis er sich mit nacktem Arsch vollends der Lächerlichkeit preisgibt. Über weite Strecken mangelt es A MILLION WAYS einfach an absurder Situationskomik, an Tempo und Action, lässt die Leichtigkeit parallel startender Komödien wie BAD NEIGHBORS vermissen und ist unglaublich geschwätzig. Man führt den Zuschauer von einem flachen Gag zum nächsten, wobei nur selten das Genre genüsslich durch den Kakao gezogen wird. Trotz derber Zoten ist A MILLION WAYS nicht frech genug und wird bestenfalls Kindergartenkinder zu Lachanfällen hinreißen lassen.

Insgesamt bietet der Film zu wenig gute Gags, zu wenig Abwechslung, zu wenig Timing um letzten Endes voll und ganz überzeugen zu können. Unterm Strich bleibt ein leidlich unterhaltsamer, kurzweiliger Spaß – der mehr durch Einfallslosigkeit als durch eine dichte Gagquote punktet.

Mike Blankenburg

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