„Die Chaotenclique“ – eine fast vergessene (Soundtrack-) Perle der 80er

Die Chaotenclique Soundtrack

Was Miley Cyrus, Dua Lipa und The Weeknd können, das kann Giorgio Moroder schon lange…: „Die Chaotenclique“ – eine fast vergessene (Soundtrack-) Perle der 80er

Endlich Feierabend! Was kann es da Schöneres geben, als einen entspannten Videoabend. Ne coole alte VHS-Kassette auf ´nem Röhren-TV-Gerät, eingerollt in einer Wolldecke! So geht Behaglichkeit!!

Und welches cineastische Kleinod wandert nun in den VHS-Rekorder?

Eigentlich entscheide ich mich an so einem chilligen Abend immer für eine 80er Produktion; dem -meiner Meinung nach- ohnehin interessantesten Filmjahrzehnt des vergangenen Jahrhunderts. Und so fällt die Wahl diesmal auf „Die Chaotenclique“ von 1983.

Bereits nach 10 Minuten Laufzeit frage ich mich dann, wie es passieren konnte, dass ich dieses kleine Meisterwerk schon so lange nicht mehr in den Player geworfen habe. Sollte mich mal jemand fragen, wie die 80er so waren, dann würde ich ihm definitiv den „Breakfast Club“ von John Hughes und vielleicht diesen Film hier empfehlen. Eine kleine, aber feine, typische 80er Jahre-Produktion, die viel mehr Talent und Kunstfertigkeit vereint, als auf einen ersten flüchtigen Blick ins Auge fällt. Mit Joel Schumacher steht ein Regisseur hinter der Kamera, der später auch noch mit Krachern wie „Falling Down“ oder auch „Batman Forever“ beachtliche Erfolge feiern durfte. Die Kamera führt virtuos Dean Cundey. Dieser war auch Kameramann bei John Carpenters Hit „Halloween“ oder Steven Spielbergs Mega-Blockbuster „Jurassic Park“.

Der Cast wird abgerundet vom jungen Adam Baldwin, den kultigen Barbarien Brothers und Mr. T., der sich hier auch ohne die Kollegen vom „A-Team“ erfrischend spielfreudig zeigt. Das Plakat-Artwork stammt von Drew Struzan, der uns auch schon zu den „Goonies“, „Zurück in die Zukunft“ oder auch „Indiana Jones“ mit feinem Pinselstrich beglückte.

Wenn man so viel Talent vor und hinter der Kamera vereint, dann muss einfach etwas mit viel Spaß und guter Laune dabei herauskommen. „Die Chaotenclique“ zeigt uns schrille und schräge Typen mit viel Herz im typischen „Buddy-Movie“-Style. So findet man das heute kaum noch in Filmen. Wir sehen ein paar nackte Tatsachen und durchaus auch etwas „Eis am Stiel“-Klamauk – aber das ist hier im allerbesten Sinne gemeint und eher eine Huldigung und keine Kritik. Eigentlich gibt es sowohl in der ganz großen Weltliteratur als auch im Film nur zwei große Themen: Liebe und Abenteuer. Jedes Buch, jeder Vers, jede Kurzgeschichte oder Parabel, aber auch jeder Film lässt sich hier irgendwo einordnen. Und beides hat diese Produktion definitiv in Hülle und Fülle zu bieten.

Zur guten Stimmung trägt hier auch der außerordentliche Soundtrack bei. Eine LP mit Filmmusik zum Film? Das war 1983 schon nicht mehr selbstverständlich. Vinyl war zu dieser Zeit schon nicht mehr so gefragt wie in den 70ern und die CD war noch nicht in der Fläche gebräuchlich. Für die Musik zur „Chaotenclique“ zeichnet sich Disco-Legende Giorgio Moroder verantwortlich. Moroder war für so großartige Kompositionen wie etwa den Song „Neverending Story“ aus „Die unendliche Geschichte“ verantwortlich, womit er auch gleich Charterfolge feiern durfte. Ein Klangkünstler, der schon auf Synthesizer und Drum-Computer setzte, als andere noch verschämt an der E-Gitarre zupften. Und streng genommen ist das, was Moroder hier für „Die Chaotenclique“ abliefert, auch ein lupenreines Dance-Album geworden, das einfach eine Riesenfreude macht! Unbeschwerter Pop mischt sich mit locker-flockigem Reggae-Sound. Wunderbar analoge Synthesizer-Klänge, die in der ein oder anderen Szene sogar an die Bee-Gees erinnern – einfach toll! Der Titel „The Dream“ hätte auch gut auf ein Donna Summer Album gepasst, wird hier aber interpretiert von Irene Cara, die im Film auch eine Rolle hat. Cara kam zu besonderen Ehren durch ihren Song „What a feeling“ aus dem Tanzfilm „Flashdance“.

Die Komposition stammt ebenfalls aus der Feder Moroders und zeigt, dass Filmmusik sehr wohl äußerst charttauglich sein kann. Oh Mann!!

Was machen Film und Musik für eine gute Laune! Ein Himmelreich für ein BMX-Rad! Nunja…wenigstens mein altes Frottee-Stirnband könnte ich mal wieder auskramen. Insgesamt ist das Album zu „Die Chaotenclique“ zwar eher eine Song-Compilation als ein Instrumentalalbum – von Moroder gibt es nur ein Instrumentalstück auf der LP- aber gerade das macht es auch spannend, weil wir so vielen unterschiedliche Interpreten lauschen dürfen. Unvermeidlich hat man die großen Hits von Grandmaster Flash oder Herbie Hancock zu seinen besten Zeiten im Ohr.

Mein Fazit:

Beides, Film wie Soundtrack, sind absolute 80er-Perlen, die endlich einmal ein würdiges Release als Digipack verdient hätten. Digipack heißt für mich: Eine Kombo aus Film mit dickem Booklet und Soundtrack -CD, denn den Film gibt es zwar als Silberling, der Soundtrack erschien seinerzeit aber eben „nur“ über das Label MCA als LP oder Musikkassette. Das wäre ein Release-Traum für mich als Sammler! Wer weiß…vielleicht erhört ja mal ein Label meinen (Fan-) Traum!

So Leute…ich bin dann mal raus…ne Runde Bonanza-Rad fahren.

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Dirk Weßels
Über Dirk Weßels 2 Artikel
Dirk Weßels liebt es nicht nur, wenn Pläne funktionieren sondern ganz besonders die Zeit, in der Musik zunehmend elektronischer wurde, Ferraris auch mal in weiß statt rot durch das nächtliche Miami cruisten und man Filme noch im VHS-Format in der Videothek seines Vertrauens leihen konnte – die 1980er! Seine größte Leidenschaft gehört seit nunmehr über 40 Jahren dem Star Wars-Franchise. Actionfiguren, Soundtracks, Hörspielfassungen, Kurioses und Seltenes – nichts, was nicht begehrenswert für die Sammlung wäre. Im Bereich des Thriller- und Horrorfilms sind es die zeitlosen Klassiker, die cineastischen „Schwergewichte“ und meisterhaften Meilensteine, die Dirk Weßels ganz besonders schätzt. "Frankenstein" von 1931 mit dem unerreichten Colin Clive in der Titelrolle sowie Boris Karloff als kongenial-monströsem Antagonisten, Hitchcocks "Der unsichtbare Dritte" und "Psycho" oder auch Carpenters "Halloween" sowie selbstredend Cunninghams "Freitag, der 13". Abseits des Science-Fiction- und Gruselgenres stehen die Bond-Reihe, Spielberg-Filme wie "Der weiße Hai", "Indiana Jones" und "E.T." oder auch diverse Action-Kracher der 1980er/1990er ganz oben in seiner ganz persönlichen Kino-Hitparade. In seiner Funktion als Fan und Jäger nach verlorenen (Film-, Spielzeug- und Hörspiel-) Schätzen wurde ihm nun schon mehrfach die Ehre zuteil, Artikel für das Filmmagazin DEAD ENDS verfassen zu dürfen.

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